Alle Vitamin D Mangel Erkrankungen im Überblick

Alle Mangel Erkrankungen im Überblick

Vitamin D ist streng genommen kein Vitamin, sondern in seiner biologisch aktivsten Form Calcitriol ein Hormon. Als solches hat es bereits in kleinsten Mengen erhebliche Auswirkungen auf verschiedene Körperfunktionen – umfangreicher als die „normalen“ Vitamine. Dementsprechend führt ein ausgeprägter Vitamin D-Mangel zu verschiedenen, sehr nachhaltigen Erkrankungen. Erfahren Sie hier mehr über die Wichtigkeit von Vitamin D und die Folgen eines Vitamin D-Mangels.

Tipps zu Vitamin D

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Vitamin D und der Calciumhaushalt

Im menschlichen Stoffwechsel sind Vitamin D und Calcium aufs Engste miteinander verknüpft. Denn Vitamin D bestimmt, wie hoch der Blutwert von Calcium ist. Daher ist der Vitamin D-Spiegel der wichtigste Regulator der Aufnahme von Calcium aus dem Darm und der Ausscheidung des Ions über die Nieren.

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Dazwischen geschaltet ist der Calciumspeicher des Körpers, das Skelett. Die Knochen sind ein höchst dynamisches System, in dem das Zellsystem aus knochenaufbauenden Osteoblasten und knochenabbauenden Osteoklasten für ständige Umbauarbeiten sorgen. Für ein stabiles Knochengerüst ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Aufbau und Abbau notwendig. Fehlt Calcium für andere Körperfunktionen, bedient sich der Körper verstärkt aus dem Knochenspeicher, sodass die mineralische Substanz des Knochens abnimmt.

Vitamin D-Mangel Erkrankungen – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Vitamin D ist der wichtigste Regulator des Calciumspiegels im Blut. Bei Mangel sinkt der Calciumspiegel im Knochen, in dem das meiste davon gespeichert ist.
  2. Daher äußert sich ein Vitamin D-Mangel vor allem durch ein Fehlen von Calcium in der Körpersubstanz und bei einer Vielzahl von Stoffwechselvorgängen.
  3. Durch die Leerung des Knochenspeichers verlieren die Knochen an mineralischer Substanz und werden dadurch brüchig – es droht Knochenschwund (Osteoporose).
  4. In der Jugend steht nicht genug Calcium für den Aufbau des Skeletts zur Verfügung, was zu Deformationen und Wachstumsstörungen in Form einer Rachitis führt.
  5. Calcium ist zudem wichtig für Muskelarbeit und Nervenleitung. Daher kommt es bei einem Vitamin D-Mangel zu einer Schwächung der Muskulatur und Beeinträchtigungen des Nervensystems.

Vitamin D-Mangel und Knochengerüst: Rachitis und Osteoporose.

Die bekannteste Auswirkung eines Vitamin D-Mangels betrifft das Skelettsystem. Zu wenig Vitamin D führt zu einem Mangel an Calciumionen im mineralischen Anteil des Knochens. Solche Beeinträchtigungen bezeichnet man als Osteomalazien.

Im Kindesalter hat ein solcher Mangel fatale Auswirkungen auf den wachsenden Knochen: Das Körperwachstum ist gebremst, und besonders die großen Röhrenknochen weisen Deformationen auf. Die resultierende Rachitis war eine typische Kinderkrankheit zu Zeiten der Industrialisierung, in der Arbeiterkinder zu wenig an die Sonne kamen und häufig an dieser Erkrankung litten. Heute tritt sie in unseren Breitengraden nur noch sehr selten und meist nur im Schlepptau anderer Erkrankungen auf, die die Calciumaufnahme aus dem Darm beeinträchtigen. Das liegt außer an der Sonnenexposition vor allem an der wesentlich besseren Ernährungssituation.

In hohem Alter ist die Osteoporose die häufigste Form einer Osteomalazie. Sie betrifft vor allem Frauen jenseits der Wechseljahre, da neben Vitamin D auch die weiblichen Geschlechtshormone beim Calciumhaushalt eine wichtige Rolle spielen. Nach der Menopause geht der Östrogenspiegel zurück und macht die Knochen anfälliger für Calciummangel.

Mangel an Calcium macht die Knochen brüchig, sodass das Frakturrisiko steigt. Daher leiden ältere Menschen nach Sturzereignissen häufig an Oberschenkelhalsbrüchen. Ebenso treten vermehrt, aber oft unbemerkt Sinterungsbrüche in den Wirbelkörpern auf, sodass sich die Deckplatten der Wirbelkörper annähern und sich Keilwirbel bilden. Die Folge ist der typische Buckel (Kyphose), der sich bei älteren Frauen immer weiter ausprägt.

Um das Frakturrisiko einschätzen zu können, sollten Frauen nach den Wechseljahren regelmäßig ihre Knochendichte messen lassen.

Vitamin D-Mangel und das Immunsystem

Calciumionen sind wichtig für die Funktion der Immunabwehr. Daher führt Vitamin D-Mangel zu erhöhter Infektanfälligkeit: Man leidet wesentlich häufiger an grippalen Infekten oder einer echten Grippe, und Bronchitiden und Lungenentzündungen können leicht hinzukommen.

Ebenso verschlechtert sich mit dem beeinträchtigten Immunsystem die Wundheilung. Wunden heilen nur noch langsam ab, und Zahnfleischentzündungen nehmen zu. Fatal wird das bei chronischen Wunden wie dem gefürchteten Unterschenkelgeschwür (Ulcus cruris), das kaum noch abheilt.

Arbeitet das überforderte Immunsystem ständig am Limit, haben Allergien beste Chancen. Diskutiert wird auch eine Zunahme von Krebserkrankungen, da die Immunzellen mutierte Zellen nicht mehr so effektiv bekämpfen. Insbesondere das Auftreten von Prostatakarzinom, Brustkrebs, Pankreas- und Colonkarzinom wird durch Vitamin D-Mangel begünstigt.

Haut und Haarausfall

Auch die Haare und die Hautzellen benötigen Vitamin D für ihr Wachstum. Daher wird mit zunehmendem Vitamin D-Mangel das Haar brüchiger, trockener und dünnt aus, wie auch die Haut selbst trocken und rissig wird.

Vitamin D-Mangel im Nervensystem

Calciumionen spielen neben Natrium, Magnesium und Chlorid die Hauptrolle bei der Informationsübertragung im Nervensystem. Daher führt Vitamin D-Mangel zu einer verminderten Konzentrationsfähigkeit, chronischer Müdigkeit und Schlafstörungen. Hinzu kommen Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen und Nervosität. Das Auftreten von Depressionen und epileptischen Anfällen häuft sich. Auch neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und andere Formen der Demenz sowie Morbus Parkinson und Multiple Sklerose sollen durch einen Vitamin D-Mangel begünstigt werden.

Folgen von Vitamin D-Mangel auf die Muskelaktivität

Nicht nur die Nervenleitung, sondern auch die Muskelaktivität benötigen Calcium und sind damit von Vitamin D abhängig. Ein Mangel führt besonders bei älteren Patienten zur Muskelschwäche – fatal in Kombination mit Osteoporose, da die so vorprogrammierten Sturzereignisse sehr häufig Frakturen zur Folge haben.

Ebenso treten vermehrt Rückenschmerzen auf und wird das Auftreten von Fibromyalgie begünstigt.

Herz-Kreislauf-System

Auch bei Herz und Kreislauf macht sich ein Vitamin D-Mangel bemerkbar. Blutdruck und Cholesterinspiegel steigen, sodass vermehrt Arteriosklerose auftritt. Sie gilt als Hauptursache für koronare Herzkrankheit (KHK), Schlaganfälle und Herzinfarkt.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Lapid MI, Drake MT, Geske JR, Mundis CB, Hegard TL, Kung S, Frye MA (2013): Hypovitaminosis D in psychogeriatric inpatients. J Nutr Health Aging 17(3): 231-4. hier↑
  • Holick MF (2007): Vitamin D deficiency. N Engl J Med 19; 357 (3): 266-281.
  • Thomas MK, Lloyd-Jones DM, Thadhani RI, Shaw AC, Deraska DJ, Kitch BT, Vamvakas EC, Dick IM, Prince RL, Finkelstein JS (1998): Hypovitaminosis D in medical inpatients. N Engl J Med 19; 338 (12): 777-783.

⏱ Letzte Aktualisierung am von Anna Nilsson, Medizinjournalistin

Autorenprofil

Dr. rer. medic. Harald Stephan Fach-/Wissenschaftsredakteur

Dr. rer. medic. Harald Stephan ist Naturwissenschaftler mit medizinischer Promotion und als Autor und Fach-/Wissenschaftsredakteur tätig..

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