Vitamin-D-Mangel bei Kindern

Gefährlicher Vitamin-D-Mangel bei Kleinkindern

In Deutschland sind die meisten Kinder gesund und ein chronischer Vitamin D Mangel kommt bei Kindern selten vor. Vielleicht machst Du Dir gelegentlich Gedanken, ob Dein Baby genügend Muttermilch oder Säuglingsnahrung trinkt, ob es gut gedeiht und sich gesund entwickelt. Beim nächsten Besuch der Nachsorgehebamme oder bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung bei Eurem Kinderarzt siehst Du aber das steigende Gewicht auf der Waage und bist beruhigt.

Du solltest dabei aber bedenken, dass Muttermilch und Flaschenmilch zwar alle wichtigen Nährstoffe enthalten, es ihnen aber an einer ausreichenden Menge Vitamin D fehlt. Daher empfehlen Kinderärzte, Säuglingen im ersten Lebensjahr jeden Tag Vitamin D zusätzlich zu verabreichen. Ein Vitamin-D-Mangel beim Kind kann die komplizierte Knochenkrankheit Rachitis zur Folge haben.

vitamin d für Kinder

Wieviel Vitamin-D braucht ein Kind? Copyright: Irena_Geo bigstockphoto

Bei Kindern unter einem Jahr besteht ein erhöhter Bedarf an Vitamin D, um gesunde Knochen zu bilden. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde empfiehlt täglich eine Vitamin-D-Tablette von zehn bis 12,5 Mikrogramm zu verabreichen.

Diese Dosis gilt für die Zeit vom Ende der ersten Lebenswoche bis zur Vollendung des ersten Lebensjahrs. Die Empfehlung besteht unabhängig von der Vitamin-D-Zufuhr durch UV-Licht oder Muttermilch. In den Wintermonaten des zweiten Lebensjahrs führen Eltern die Prophylaxe fort.

Fünf Fakten zum Thema Vitamin-D-Mangel beim Kind

  • Vitamin D stärkt Knochen, Muskulatur und Zähne.
  • Es schützt die Gehirnzellen.
  • Ein Mangel an Vitamin D kann zu Rachitis führen.
  • Kinderärzte empfehlen eine zusätzliche Einnahme von Vitamin D für Säuglinge mindestens bis zum ersten Geburtstag.
  • Der Hauptgrund für einen Vitamin-D-Mangel beim Kind ist fehlendes Sonnenlicht auf der Haut.

 

Welche Aufgabe das Vitamin D im Körper von Kindern hat

Vitamin D ist ein Steroidhormon, ähnlich den Geschlechtshormonen oder dem Kortison. Früher wurde es lediglich als fettlösliches Vitamin beschrieben. Das Vitamin hat seine Aufgabe im Knochenstoffwechsel und reguliert dort langfristige Vorgänge. Über 80 Prozent des verfügbaren Vitamin D im Organismus stellt der Körper selbst her. Er wandelt mit der Hilfe von Sonnenlicht (UV-B-Licht) Cholesterol in Vitamin D3 um. Leber und Niere aktivieren das Hormon im Anschluss.

Einen kleineren Teil Vitamin D nimmt Dein Kind mit der Nahrung auf. Das Vitamin D ist im Körper für die Bildung und Reifung von Knochenstammzellen verantwortlich. Zusätzlich regelt es den Kalziumhaushalt und nimmt Einfluss auf den Phosphatstoffwechsel. Vitamin D sorgt so dafür, dass Kalzium und Phosphat in die Knochen eingebaut werden und das Skelett stabil machen. Schon Dein Baby kann das Vitamin im Muskel- und im Fettgewebe speichern.

Wo kommt das Vitamin D her?

Für ältere Kinder reichen täglich circa 10 bis 15 Minuten Sonneneinstrahlung auf der unbedeckten Haut (ohne Sonnencreme) von Armen, Händen und Gesicht, um den Körper ausreichend mit Vitamin D zu versorgen. Über die Wintermonate bedient sich der Stoffwechsel am Vitamin D-Lager im Fettgewebe. Zusätzlich ist dann eine gesunde Ernährung gefragt. Da Babys der Sonne noch nicht ungeschützt ausgesetzt werden sollten, ist im ersten Lebensjahr eine tägliche Vitamin D-Prophylaxe mit Tabletten oder Tropfen besonders wichtig.

Vitamin D-haltige Lebensmittel sind zum Beispiel:

  • fettreicher Seefisch
  • Milch (besonders im Sommer)
  • Butter
  • Eigelb
  • Hefe
  • Avocados
  • Brokkoli
  • Leber vom Rind
  • Margarine (künstlich zugesetzt)

Risikofaktoren für einen Vitamin D-Mangel beim Kind

Hautkrebs durch die Einwirkung von UV-Strahlung ist für viele Eltern eine reale Gefahr. Daher tragen Kinder im Sommer UV-Schutz-Kleidung und Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, wenn sie draußen spielen. Auf diese Weise wird die natürliche Bildung des wichtigen Vitamins nahezu komplett unterbunden. Im Winter hat die Sonne in Deutschland sowieso kaum eine Chance, auf unbedeckte Kinderhaut zu treffen. Eine einseitige Ernährung erhöht zusätzlich das Risiko für einen Vitamin D-Mangel beim Kind.

Erkrankungen oder Störungen, die die Bildung des Vitamins im Körper verhindern können:

  • chronische Funktionsstörung der Nieren (Niereninsuffizienz)
  • chronische Darmentzündung
  • Störung der Leberfunktion
  • Einnahme von Epilepsiemedikamenten (Antikonvulsiva)

Wieviel Vitamin D Dein Kind zu sich nehmen sollte

Hält sich Dein Nachwuchs ausreichend häufig an der frischen Luft in der Sonne auf, reichen 200 IE Vitamin D täglich über die Nahrung, um einem Mangel vorzubeugen. Diese Empfehlung gilt für Kinder ab dem zweiten Lebensjahr und für Erwachsen bis zum 65. Geburtstag.

Sonderfall erstes Lebensjahr:

In den ersten 12 bis 18 Lebensmonaten entwickeln sich die Knochen Deines Babys rasant. Es ist viel Vitamin D notwendig, um das kleine Skelett ausreichend zu mineralisieren und die Knochen zu festigen. Daher empfehlen Kinderärzte in Deutschland für jedes Neugeborene ab der Vollendung der ersten Lebenswoche täglich eine Tablette Vitamin D mit 400 bis 500 Einheiten oder einen Tropfen Vitamin D-Öl. Liegt der erste Geburtstag Deines Kindes im Frühling oder Frühsommer, kannst Du die Rachitisprophylaxe zu dieser Zeit beenden. Endet das erste Lebensjahr im Herbst oder Winter, gibst Du die Tabletten oder Tropfen am besten noch weitere sechs Monate. Im folgenden Frühling, wenn dein Kleinkind mehr nach draußen in die Sonne kommt, kannst Du dann mit der Prophylaxe aufhören.

Wie gefährlich ist eine Überdosierung von Vitamin D?

Auf natürlichem Weg kann keine Überdosierung von Vitamin D erfolgen. Wenn Ihr plötzlich für zwei Wochen Urlaub am Strand macht und sich Dein Kind viel länger als sonst in der Sonne aufhält, pendelt sich die Produktion von Vitamin D in der Haut auf einem entsprechenden Niveau ein. Mit Vitamin D aus der Nahrung verhält es sich ähnlich. Erst eine massive Überdosierung hoch konzentrierter Präparate kann unerwünschte Symptome hervorrufen. Die sichere Grenze liegt für Kinder bei 1000 Einheiten pro Tag und für Erwachsene bei 2000 Einheiten pro Tag.

Symptome einer akuten Überdosierung mit Vitamin D:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • Abgeschlagenheit
  • Durstgefühl

Erhält ein Kind über lange Zeit zu hohe Dosen an Vitamin D, kann sich Kalzium im Blutgefäßsystem und in den Nieren ablagern. Nierensteine und sogar ein Nierenversagen kann die Folge sein.

Vitamin D Mangel Symptome bei Kindern

Rachitis durch Vitamin-D-Mangel beim Kind

Kann der Organismus in den ersten Lebensjahren aufgrund von Vitamin D-Mangel nicht genügend Kalziumphosphat in die Knochen einbauen, kommt es zu einer unzureichenden Verkalkung des Knochengewebes und zahlreichen gravierenden Folgen. Die sogenannte Rachitis äußert sich durch

  • eine Verkrümmung der Wirbelsäule,
  • X- oder O-Beine,
  • eine Muskelschwäche mit wiederkehrenden Muskelkrämpfen,
  • einen verformten Brustkorb,
  • einen weichen, abgeflachten Hinterkopf,
  • eine vorgewölbte Stirn,
  • verspätetes Zahnen,
  • Karies,
  • schwache Bauchmuskeln,
  • Gelenkschwellungen,
  • eine motorische Entwicklungsverzögerung sowie
  • chronische Verstopfung.

Auffällig werden die betroffenen Kinder ungefähr im dritten Lebensmonat. Sie schlafen schlecht, sind extrem schreckhaft, weinen viel und haben einen niedrigen Muskeltonus. Manche Babys schwitzen dabei stark am Hinterkopf.

Im fortgeschrittenen Stadium weichen die Knochen am Hinterkopf auf und sind eindrückbar. Der Fachbegriff dafür heißt Kraniotabes. Die Fontanelle ist auffällig weit. Auffällig sind des Weiteren die Auftreibungen an der Knochen- und Knorpelgrenze des Brustkorbs. Mediziner sprechen von einem „rachitischen Rosenkranz“. Das erkrankte Kind besitzt im fortgeschrittenen Stadium einen glockenförmigen Brustkorb.

Als Spätsymptome zeigen sich verbreiterte Fuß- und Handgelenke, sowie Bein-Deformierungen und einen verspäteten Zahndurchbruch. Durch eine Abflachung des Hinterkopfes sowie aufgetriebenen Schädelnähten entsteht ein „Quadratschädel“.

Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen und der Stimmritzenkrampf bilden lebensbedrohliche Komplikationen der Rachitis. Bleibende Schäden entstehen je nach Dauer und Schwere der Erkrankung an der Wirbelsäule, dem übrigen Skelett und an den Gliedmaßen.

 

Als weitere Symptome eines Vitamin-D-Mangels bei Kindern sind folgende bekannt:

  • ein sogenannter Froschbauch, wobei sich die Bauchmuskulatur als schlaff erweist
  • eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte
    Laut einer in den Cambridge Journals veröffentlichten Studie erkranken Kinder mit Vitamin-D-Mangel-Symptomen häufiger an den Atemwegen.
  • geschwollene Gelenke
  • motorische Entwicklungsverzögerungen
  • Verstopfungen
  • verzögerter Zahndurchbruch
  • Defekte des Zahnschmelzes
  • sowie Karies.

Wie der Kinderarzt Vitamin-D-Mangel beim Kind diagnostiziert

Hat der Kinderarzt nach der körperlichen Untersuchung den Verdacht, dass ein Kind an Rachitis leidet, kann er die Diagnose per Röntgenbild des Handgelenks und der Spiegelbestimmung von Vitamin D, Kalzium, Phosphat sowie dem Enzym alkalische Phosphatase im Blut bestätigen. Ähnliche mögliche Diagnosen sind der angeborene Vitamin-D-Mangel und die Rachitis aufgrund eines Phosphatmangels.

Die Therapie des Vitamin-D-Mangels beim Kind

Ist die Diagnose bestätigt, erhält der erkrankte Säugling Vitamin D3 in ansteigender Dosis in Kombination mit Kalzium. Nach 12 Wochen senkt der Kinderarzt die Dosis auf 500 IE Vitamin D und die Behandlung geht in die Prophylaxe über. Symptome und Laborwerte normalisieren sich meist in wenigen Wochen und auch die Auffälligkeiten am Skelett können im ersten Lebensjahr folgenlos heilen.

Diagnose: Wie stellen Ärzte einen Vitamin-D-Mangel bei Kindern fest?

Den Vitamin-D-Mangel bei Kindern diagnostizieren Ärzte, indem sie das Blut untersuchen.

Wieviel Vitamin-D braucht ein Kind?

Als Richtwerte legen sie folgende Konzentrationen an:

  • Bei einem Wert unter 12,5 Nanomol pro Liter liegt ein schwerer Vitamin-D-Mangel vor, der in der Regel mit einer Rachitis einhergeht.
  • Zwischen 12,5 und 25 Nanomol pro Liter besteht ein moderater Vitamin-D-Mangel, der sich auf den Knochenstoffwechsel auswirkt.
  • Zwischen 25 bis 50 oder 75 Nanomol pro Liter liegt eine suboptimale Vitamin-D-Versorgung vor, die sich möglicherweise auf den Knochenstoffwechsel auswirkt.

Intensive und kurzzeitige Sonnenbestrahlung wie Sonnenbrände in der Kindheit erweisen sich als gesundheitsschädlich und fördern unter Umständen Hautkrebs. Hingegen langfristige und weniger intensive Sonnenbestrahlung fördert die Gesundheit und sorgt für einen ausgeglichenen Vitamin-D-Haushalt.

Diagnose und Therapie von Rachitis nach Vitamin-D-Mangel bei Kindern

Der Kinder- und Jugendarzt stellt die Diagnose aufgrund der Röntgenaufnahme des Handgelenks und der Messung des Vitamin-D-, Phosphat- und Kalziumwertes. Außerdem führt er eine alkalische Phosphatase durch. Anschließend erfolgt eine Differenzial-Diagnose, um festzustellen, ob die Ursache im genetisch bedingten Vitamin-D-Mangel liegt. Bei der Rachitis Typ 1 bildet der Körper kein Calcitriol. Bei der Rachitis Typ 2 nehmen der Darm und das Skelett kein Calcitriol auf. Ein Phosphatmangel, den eine Nierenerkrankung oder eine Phosphatdiabetes verursacht, bedingt die Rachitis unter Umständen auch.

Bei einer Rachitis durch Vitamin-D-Mangel bei Kindern geht der Arzt folgendermaßen vor:

  • Tritt die Erkrankung in den ersten vier Lebenswochen auf, gibt er täglich 1.000 Internationale Einheiten Vitamin D. Zusätzlich bekommt das Kind 40 bis 80 Mikrogramm Kalzium für jedes Kilo Körpergewicht.
  • Zwischen der vierten Lebenswoche und dem vollendeten ersten Lebensjahr verabreicht der Arzt 3.000 Internationale Einheiten Vitamin D. Ergänzend gibt er 40 bis 80 Mikrogramm Kalzium pro Kilo Körpergewicht täglich.
  • Nach zwölf Wochen führt der Arzt die Prophylaxe von 500 Internationalen Einheiten Vitamin D bis zum vollendeten ersten Lebensjahr fort.
  • Eine Rachitis nach dem ersten Lebensjahr therapiert er mit 5.000 Internationalen Einheiten sowie 40 bis 80 Mikrogramm pro Kilo Körpergewicht.
  • Anschließend genügt ausreichende Sonnenbestrahlung und Kalzium-Zufuhr über die Nahrung.
  • Bei ungenügender Sonnenbestrahlung bleibt die prophylaktische Vitamin-D-Dosis von 500 Internationalen Einheiten bestehen.

In vielen Fällen verschwinden die Beschwerden und normalisieren sich die Laborwerte in sechs bis zwölf Wochen. Erkennt und behandelt der Arzt die Rachitis frühzeitig, heilen Fehlstellungen und Achsen-Verschiebungen in einem Jahr aus.

Vitamin-D-Mangel bei Kindern löst unter Umständen die gefährliche Kinderkrankheit Rachitis aus. Zur Vorbeugung geben Eltern ihrem Kind im ersten Lebensjahr täglich eine Vitamin-D-Tablette.

Quellen:

– Christian Speer, Manfred Gahr, Pädiatrie, Springer Medizin Verlag Heidelberg, 2005
– Schönau et.al., Pädiatrie integrativ, Konventionelle und komplementäre Therapie, Urban & Fischer, München 2005

 

 

 

Autorenprofil

Dr. Jessica Kilonzo, Kinderärztin

Dr. Jessica Kilonzo, Kinderärztin schreibt als Autorin und stellt medizinische Sachverhalte klar und verständlich dar.

Redaktions Tipp: