Vitamin-D Nachweis im Blut, Blutwerte und Bildung von D3

Vitamin D-Mangel ist in unseren Breitengraden die häufigste Mangelerscheinung. Das liegt an der mangelnden Sonneneinstrahlung, die vor allem im Winter nicht für eine ausreichende Synthese des Sonnenvitamins in der Haut ausreicht. Daher sind insbesondere bei Risikogruppen regelmäßige Checks auf eine ausreichende Vitamin D-Versorgung durchaus angebracht. Am einfachsten geschieht dies über einen Vitamin D-Nachweis im Blut.

Bildung von Vitamin D Blutwerte

Bildung von Vitamin D im Körper

 

Wie bildet der Körper Vitamin D?

Vitamine sind Vitalstoffe, die der Mensch selbst nicht produzieren kann, sodass er auf eine Zufuhr mit der Nahrung angewiesen ist. Vitamin D ist eine Ausnahme: Seine Vorstufe 7-Dehydrocholesterol kann er sehr wohl eigenständig herstellen. Um aus diesem Provitamin das eigentliche Vitamin D zu gewinnen, ist allerdings UV-Licht, genauer UV-B-Strahlung im Bereich von 290 bis 315 Nanometern notwendig.

Diese Reaktion findet in der Haut statt. Das so gebildete Prävitamin D3 ist instabil und wandelt sich in das eigentliche Vitamin D3 (Cholecalciferol) um. Für den Transport im Blut gibt es ein spezielles Eiweiß, das Vitamin D-bindende Protein (DBP).

Mit dessen Hilfe gelangt es mit dem Blut in die Leber, die daraus 25(OH)-Vitamin D3 (Calcidiol) herstellt. Calcidiol ist die Speicherform des Vitamin D, die für die Überbrückung sonnenarmer Zeiten notwendig ist. An DBP gebunden gelangt Calcidiol in die Nieren, die es zu Calcitriol (1α,25(OH)2-Vitamin D3) umwandeln.

Calcitriol ist die im Körper am stärksten wirksame Form des Vitamin D. Es handelt sich dabei streng genommen nicht um ein Vitamin, sondern um ein Hormon, das an der Oberfläche seiner Zielzellen an einen speziellen Vitamin D-Rezeptor (VDR) bindet. Der Komplex aus Rezeptor und Vitamin wandert in den Zellkern und schaltet dort bestimmte Gene ein, die für die Wirkung des Vitamin D verantwortlich sind.

Vitamin D-Nachweis im Blut – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Vitamin D kann der Mensch nur in ausreichenden Mengen selbst produzieren, wenn genügend Sonnenlicht auf die Haut fällt.
  2. Daher ist in unseren Breitengraden und vor allem im Winter Vitamin D-Mangel häufig – besonders bei Menschen, die relativ wenig in die Sonne kommen.
  3. Ein Zuviel an Vitamin D-Präparaten ist ungesund, da sich das fettlösliche Vitamin im Fettgewebe ansammelt und zu einer Hypervitaminose führen kann.
  4. Daher sind regelmäßige Überprüfungen des Vitamin D-Gehaltes für viele Menschen sinnvoll.
  5. Solche Bestimmungen kann man beim Hausarzt oder über Selbsttests in einem Labor vornehmen lassen.

 

Vitamin D-Nachweis im Blut: Warum ist Vitamin D so wichtig?

Vitamin D ist Hauptregulator des Calciumspiegels im Blut und damit verantwortlich für den Aufbau der Knochensubstanz. Vor allem in der Entwicklung ist ein Vitamin D-Mangel fatal, da er zu Rachitis führt, einer schwerwiegenden Deformation der Knochen.

Im Erwachsenenalter, wenn der Knochen ausgewachsen ist, führt ein Vitamin D-Mangel zu einem verringerten Calciumgehalt des Knochens, der dadurch weich wird und schmerzt. Dieses Krankheitsbild bezeichnet man als Osteomalazie. Bei älteren Menschen ist die Osteomalazie meistens von einer Osteoporose begleitet, dem „Knochenschwund“, bei dem die Knochen brüchig und damit anfällig für Frakturen werden. Typisch ist der Buckel (Kyphose) älterer Frauen, bei denen die Hormonumstellungen nach der Menopause zusätzlich zur Osteoporose beitragen.

Daher sind Sinterungsbrüche der Wirbelkörper und Oberschenkelhalsbrüche bei Senioren und vor allem Seniorinnen wesentlich häufiger als bei jungen Menschen.

 

Warum kann ich nicht einfach prophylaktisch viel Vitamin D einnehmen?

Auf dem Markt sind inzwischen zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel erhältlich, die Vitamin D enthalten. Bei Menschen mit Vitamin D-Mangel sind diese vollkommen angebracht – aber nur in einem verträglichen Rahmen. Die einfache Formel Viel hilft viel stimmt hier nicht.

Vitamine gibt es in zwei Formen: wasserlösliche und fettlösliche. Während ein im Blut kursierender Überschuss an wasserlöslichen Vitaminen wie Vitamin C über die Nieren ausgeschieden wird, sammeln sich fettlösliche Vitamine wie das Vitamin D (und Vitamin A, E und K) im Fettgewebe an. Die Folge ist ein Vitaminüberschuss (Hypervitaminose), wo man eigentlich einem Vitaminmangel (Hypovitaminose) vorbeugen wollte.

Bei Vitamin D ist das Risiko überschaubar – man muss schon sehr großen Mengen zu sich nehmen, um eine Vitamin D-Überdosierung zu erzielen. Experten gehen davon aus, dass das erst ab einer täglichen Einnahme von mehr als 40.000 IE (internationalen Einheiten) geschieht. Zum Vergleich: Das verschreibungspflichtige Standardmedikament Decristol®, das viele Patienten mit Osteoporose wöchentlich oder zweiwöchentlich einnehmen, enthält pro Kapsel 20.000 IE – für eine oder zwei Wochen.

Dessen ungeachtet kommen solche Überdosierungen häufiger vor als man denken sollte. Daher ist ein Vitamin D-Nachweis im Blut angebracht, bevor man Schaden anrichtet. Eine Vitamin D-Überdosierung führt zu einer gesteigerten Aufnahme von Calcium aus der Nahrung, das den Calcium-Blutwert erhöht (Hypercalcämie).

Die Folgen sind Herzrhythmusstörungen, Übelkeit und Erbrechen sowie Muskelschwäche und im Extremfall Koma. Da das Calcium zudem verstärkt mit dem Urin ausgeschieden wird, können die Nieren verkalken (Nephrocalcinose) und sich Nierensteine (Nephrolithiasis) bilden.

Die gute Nachricht: Eine Überdosierung von Vitamin D durch zu viel Sonne ist nicht möglich. Bedenken Sie dabei aber das zunehmende Hautkrebsrisiko!

Risikofaktor Vitamin D-Mangel: Wer ist am häufigsten betroffen?

Vitamin D-Mangel ist vor allem bei Personen verbreitet, die nur wenig Sonne abbekommen. Das gilt vor allem für Senioren und bettlägrige Patienten, die nur mit Hilfe vor die Haustüre kommen. Ist Oma im Winter antriebslos und müde, ist das häufig auf einen Vitamin D-Mangel zurückzuführen.

Ebenso betroffen sind Schichtarbeiter mit vorwiegend Nachtschichten und Menschen, die im Büro oder sonstigen geschlossenen Räumen arbeiten. Gerade im Winter kommt man im Dunkeln zur Arbeit und im Dunkeln wieder nach Hause – in der knappen Freizeit am Wochenende reicht das bisschen Licht kaum für ausreichend Vitamin D-Herstellung aus.

Vitamin D-Mangel tritt vor allem im Winter auf, wenn die körpereigenen Reserven zur Neige gehen und der Sonnenstand so niedrig ist, dass nur schwerlich genügend UVB-Strahlung zur Verfügung steht. Denn die Umwandlung des 7-Dehydrocholesterols findet erst ab einer Energie von 18 mJ pro Quadratzentimeter bestrahlter Haut statt. Nicht zu unterschätzen sind die notwendigen Mengen Vitamin D in der Stillzeit.

Die Mutter hat einen erhöhten Vitamin D-Bedarf, und der Säugling ist mit seiner Vitamin D-Zufuhr von der Muttermilch und damit der Vitamin D-Versorgung der Mutter abhängig.

 

Was misst man beim Nachweis von Vitamin D im Blut?

Parameter für die Bestimmung des Vitamin D-Gehaltes im Blut ist das Calcidiol. Das ist zwar nicht die hauptsächlich wirksame Form, aber der verlässlichste Vitamin D-Wert. Sein Wert gibt Auskunft über die Vitamin D-Versorgung der letzten drei bis vier Monate. Das hormonell aktive Calcitriol bilden die Zellen aus dieser Vorstufe lokal und je nach Bedarf, sodass dessen Blutwert stark schwankt, sofern es überhaupt ins Blut gelangt. Für einen Nachweis von Vitamin D im Blut ist es daher wenig geeignet.

 

Wo kann man einen Nachweis von Vitamin D im Blut machen?

Eine Messung kann man auf Anfrage vom Hausarzt vornehmen lassen, der dafür eine Blutprobe an ein Labor schickt. Die Kosten für den Nachweis von Vitamin D im Blut muss man allerdings selbst tragen, außer in einigen medizinisch streng indizierten Fällen. Im Zweifelsfalle sprechen Sie mit Ihrem Arzt über das Problem. Er kennt Ihre Krankenakte und persönlichen Umstände am besten und kann Ihnen sicherlich weiterhelfen, wenn er einen solchen Test für angebracht hält.

Mittlerweile gibt es auch eine ganze Reihe von Testsystemen, mit deren Hilfe man einen Nachweis von Vitamin D im Blut in einem Labor vornehmen lassen kann.

Solche Tests erhalten Sie in Ihrer Apotheke. Sie müssen zu seiner Durchführung einige Tropfen Blut aus der Fingerkuppe entnehmen und diese an ein Labor senden. Innerhalb weniger Tage bekommen Sie Auskunft über Ihren Vitamin D-Blutwert, entweder klassisch mit der Post oder online mit persönlichen Zugangsdaten. Viele Anbieter geben Ihnen zudem Handlungsempfehlungen, wenn ein zu niedriger Vitamin D-Wert gemessen wurde.

 

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Vitamin D (Calciferole). Mit Tabelle einer angemessenen Vitamin D-Zufuhr bei fehlender Synthese.
  • Hans Konrad Biesalski: Vitamine und Minerale: Indikation, Diagnostik, Therapie. Stuttgart 2016: Thieme-Verlag. ISBN-10: 3132210218.
  • Uwe Gröber: Orthomolekulare Medizin: Ein Leitfaden für Apotheker und Ärzte. 3. Auflage. Berlin 2008: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft. ISBN-10: 3804719279.
  • Bikle DD: Vitamin D metabolism and function in the skin. Mol Cell Endocrinol. 2011 Dec 5;347(1-2):80-9. doi: 10.1016/j.mce.2011.05.017. Epub 2011 Jun 1. Review.
  • Bikle DD: Vitamin D and the skin: Physiology and pathophysiology. Rev Endocr Metab Disord. 2012 Mar;13(1):3-19. doi: 10.1007/s11154-011-9194-0. Review.
  • Thomas MK, Lloyd-Jones DM, Thadhani RI, Shaw AC, Deraska DJ, Kitch BT, Vamvakas EC, Dick IM, Prince RL, Finkelstein JS (1998): Hypovitaminosis D in medical inpatients. N Engl J Med 19; 338 (12): 777-783.
  • Lapid MI, Drake MT, Geske JR, Mundis CB, Hegard TL, Kung S, Frye MA (2013): Hypovitaminosis D in psychogeriatric inpatients. J Nutr Health Aging 17(3): 231-4.

 

 

Autorenprofil

Dr. rer. medic. Harald Stephan Fach-/Wissenschaftsredakteur

Dr. rer. medic. Harald Stephan ist Naturwissenschaftler mit medizinischer Promotion und als Autor und Fach-/Wissenschaftsredakteur tätig..

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