Vitamin D Nebenwirkungen – Hypervitaminose

Kein Vitamin wird so diskutiert wie Vitamin D. Viel hilft viel ist eine irrige Annahme, denn ein Zuviel des Vitamins hat schwerwiegende Auswirkungen auf den Organismus. Daher muss man bei der Einnahme einige Punkte beachten, um unerwünschte Nebenwirkungen von Vitamin-D zu vermeiden. Die gute Nachricht: Nebenwirkungen von Vitamin-D infolge einer Überdosierung treten nur bei unsachgemäßer Anwendung von Nahrungsergänzungsmitteln auf.

Vitamin D Diagnose

Vitamin D Mangel Diagnose beim Arzt, Copyright: PongMoji, bigstockphoto

Wann kommt es zu Nebenwirkungen?

Nebenwirkungen der Einnahme von Vitamin D treten nur dann auf, wenn man deutlich zuviel davon zuführt. Eine solche Überdosierung ist mit normalen Nahrungsmitteln oder durch Exposition der Haut in der Sonne kaum möglich. Lediglich bei regelmäßigen stundenlangen Aufenthalten hellhäutiger Menschen mit knapper Bekleidung in der prallen Sonne wurden vermehrt Nierensteine als Nebenwirkung erhöhter Vitaminspiegel im Blut beobachtet.

Die Angaben über die tägliche Zufuhr von Vitamin D schwanken erheblich. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) geht anhand der Literaturlage davon aus, dass erst eine dauerhaft überhöhte Zufuhr mit mehr als 100 Mikrogramm am Tag zu Nebenwirkungen führt. Bei Kindern bis zum zehnten Lebensjahr wird die Grenze mit 50 Mikrogramm angegeben. Damit schließt sie sich der Meinung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) an. Diese empfiehlt ab dem ersten Lebesjahr eine tägliche Aufnahme von 15 Mikrogramm, vom siebten bis elften Lebensmonat von 10 Mikrogramm.

Vitamin D: Nebenwirkungen der Einnahme – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Bei der Einnahme von Vitamin D treten Nebenwirkungen nur bei Überdosierung auf.
  2. Eine Hypervitaminose D ist mit normaler Nahrung und Sonnenexposition nicht möglich, nur durch unsachgemäßge Anwendung in Nahrungsergänzungsmitteln.
  3. Wichtig bei einer Substitution ist eine ausreichende Versorgung mit Calcium und Magnesium, da es sonst zu Störungen im Knochenstoffwechsel kommt.
  4. Ebenfalls wichtig ist Vitamin K, das ebenfalls den Calciumhaushalt regelt.
  5. Die Nebenwirkungen reichen von Übelkeit und Erbrechen bis verändertem Stuhlgang und Schläfrigkeit.
  6. Im Extremfall kommt es zu Depressionen, Wahnvorstellungen bis hin zum Koma.

Wieso treten bei einer Überdosierung von Vitamin D Nebenwirkungen auf?

Bei überdosierten Präparaten speichert der Körper den Überschuss im Muskel- und Fettgewebe. Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin, das im Gegensatz zu wasserlöslichen Vitaminen wie Vitamin C oder den B-Vitaminen bei einem Zuviel nicht über die Niere ausgeschieden werden kann. Man spricht von einer Hypervitaminose, im Gegesatz zu einer Minderversorgung (Hypovitaminose), die ebenfalls mit zahlreichen Nebenwirkungen einhergeht.

Wie wichtig sind Kofaktoren bei der Vitamin D-Aufnahme?

Nebenwirkungen treten vor allem auf, wenn entscheidende Kofaktoren des Calciumhaushaltes fehlen. Dazu gehören insbesondere die Mineralstoffe Calcium und Magnesium sowie Vitamin K.

Die Rolle von Vitamin K

Neben Vitamin D ist Vitamin K für den Calciumhaushalt wichtig. Fehlt es bei Substitution, wird zu wenig von dem Mineralstoff in die Knochensubstanz eingelagert. Das führt das zu einer vermehrten Kalkablagerung in den Gefäßen und es tritt eine Arteriosklerose auf.

Magnesiummangel als Nebenwirkung einer Vitamin D-Vergiftung

Typische Nebenwirkung einer Überdosierung ist Magnesiummangel. Magnesium wird für die Umwandlung in die hormonell aktive Form benötigt. Wird davon zu viel verbraucht, kommt es zu Beschwerden wie

  • Muskelkrämpfen
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Leistungsschwäche
  • Depressionen
  • Herzrasen.

Daher ist immer auf eine ausreichende Magnesiumversorgung zu achten.

Hypervitaminose und Calciumhaushalt

Das Sonnenvitamin reguliert den Aufbau und Abbau von Knochensubstanz und damit die Freisetzung von Calcium aus dem Skelettspeicher. Hohe Vitamin D-Dosen führen daher zu einem massiven Anstieg der Calciumwerte im Blut, einer Hypercalcämie. Sie äußert sich mit

  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Konzentrationsstörungen
  • Nervosität
  • Depressionen
  • Fieber
  • Flüssigkeitsverlust durch vermehrten Harndrang
  • dadurch großen Durst
  • anfangs Durchfälle, später Verstopfungen
  • Knochenschmerzen
  • Muskelschwäche
  • Magengeschwüre
  • Entzündungen der Bauchspeicheldrüse
  • Entzündungen der Bindehaut (Konjunktivitis) und/oder Hornhaut (Keratitis) des Auges.

Gravierende langfristige Auswirkungen zeigen sich durch den Flüssigkeitsverlust bei hohen Calciumwerten. Die entsprechenden Mineralsalze konzentrieren sich durch die erhöhte Ausscheidung in den Nierentubuli so stark an, dass sie ausfallen. Die Folgen sind eine Nierenverkalkung (Nephrocalcinose) und Nierensteine (Calciumsteine).

Ebenso kommt es zu Kalkablagerungen in anderen Blutgefäßen sowie in Herz und Lunge. Im Extremfall kommt es durch die zunehmende Austrocknung zu

  • Überhitzung
  • Erbrechen
  • Wahnvorstellungen
  • komatösen Zuständen.

Nicht zu unterschätzen ist die Muskelschwäche bei älteren Patienten. Sie führt zu einer verstärkten Sturzneigung – fatal ausgerechnet dann, wenn man die Folgen einer Osteoporose zu lindern versucht.

Vitamin D Nebenwirkungen gezielt verhindern

Bei einer gesunden und ausgewogenen Kost besteht keine Gefahr einer Überversorgung mit Vitamin D. Gleiches gilt für das Vitamin D, das der Körper durch den Einfluss der UV-Strahlung des Sonnenlichtes produziert. Der Körper ist in der Lage, die Synthese von Vitamin D dem jeweiligen Bedarf anzupassen. Bei einem optimalen Vitamin-D-Vorkommen „fährt“ der Organismus die Fotosynthese automatisch zurück.

Eine zusätzliche Aufnahme von Vitamin D in Form von Präparaten erübrigt sich bei einer gesunden Lebensweise. Die Nahrungsergänzungsmittel enthalten das Vitamin D in hohen Dosen, die bei unsachgemäßer Einnahme zu einem Überschuss und den aufgeführten Vitamin D Nebenwirkungen führen. Eine Ausnahme bilden Kinder bis zum ersten Lebensjahr sowie Menschen, die sich aufgrund ihres Alters selten im Freien aufhalten. Darüber hinaus erfordern bestimmte Krankheiten eine zusätzliche Gabe von Vitamin D.

Wer genügend Vitamin-D-haltige Kost wie Lebertran oder Thunfisch in seinen Speiseplan einbaut und sich des Öfteren an der frischen Luft bewegt, kann auf zusätzliche Präparate mit seinen Nebenwirkungen verzichten.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Ausgewählte Fragen und Antworten zu Vitamin D. https://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/faqs/vitamin-d/
  • European Food Safety Authority (EFSA): Vitamin D: EFSA legt Referenzwerte für Aufnahme fest. https://www.efsa.europa.eu/de/press/news/161028.
  • Powers JG, Gilchrest BA: What you and your patients need to know about vitamin D. Semin Cutan Med Surg. 2012 Mar;31(1):2-10. Review.
  • Batacchi Z, Robinson-Cohen C, Hoofnagle AN, Isakova T, Kestenbaum B, Martin KJ, Wolf MS, de Boer IH: Effects of Vitamin D2 Supplementation on Vitamin D3 Metabolism in Health and CKD. Clin J Am Soc Nephrol. 2017 Sep 7;12(9):1498-1506.
  • Holick MF: The vitamin D deficiency pandemic: Approaches for diagnosis, treatment and prevention. Rev Endocr Metab Disord. 2017 Jun;18(2):153-165. doi: 10.1007/s11154-017-9424-1. Review.
  • Razzaque MS: Can adverse effects of excessive vitamin D supplementation occur without developing hypervitaminosis D? J Steroid Biochem Mol Biol. 2018 Jun;180:81-86. Review.
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  • Sharma LK, Dutta D, Sharma N, Gadpayle AK: The increasing problem of subclinical and overt hypervitaminosis D in India: An institutional experience and review. Nutrition. 2017 Feb;34:76-81. doi: 10.1016/j.nut.2016.09.014. Epub 2016 Oct 6. Review.

 

⏱ Letzte Aktualisierung am von Anna Nilsson, Medizinjournalistin

Autorenprofil

Dr. rer. medic. Harald Stephan Fach-/Wissenschaftsredakteur

Dr. rer. medic. Harald Stephan ist Naturwissenschaftler mit medizinischer Promotion und als Autor und Fach-/Wissenschaftsredakteur tätig..

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